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Zu Gast beim peruanischen Schamanen

Naturmedizin im Amazonas, Schamanen in Peru

Drei Tage und zwei Nächte schippern wir auf einem Frachtschiff den Amazonas entlang, Richtung Dschungel. Je weiter wir fahren, desto dichter werden die Wälder um uns herum und die Luft verwandelt sich mehr und mehr in eine starkschwüle Wolkenlandschaft. Als ich vom Deck aus, auf das endlose Palmenmeer links und rechts von mir blicke und die rosa Delfine sich vereinzelt im Wasser bemerkbar machen, überkommt mich allmählich eine leise Ahnung, dass dieser Ausflug ein ganz besonderer werden würde.

Wir sind auf dem Weg nach Iquitos, die Stadt der Schamanen und Wunderheiler. Der Ort an dem Spiritualität und Aberglaube feste Bestandteile eines jeden Lebens sind. Menschen, die sich von der Natur heilen

Wunderheiler und Dschungelmedizin im Amazonas

Zwischen Bananenkisten, Eseln und zig Menschen liegen wir Stunde um Stunde, Tag für Tag in unseren Hängematten und genießen den Flair bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent. In Iquitos treffen wir den Schamanen Rocher. Bei unserer ersten Begegnung stelle ich fest, dass er aussieht wie du und ich. Keine besondere Bekleidung, keine Bemalung und ohne all den Kram, den ich mir so ausgemalt hatte. Vor mir steht ein kleiner, schlanker Mann Mitte 50, in einem Fußballtrikot und Shorts. Sein Grinsen ist breit und sein Gesicht gezeichnet von kleinen Charakaterfältchen, die ihn irgendwie weise aussehen lassen.

Wir steigen auf sein hölzernes Boot und erreichen nach einer halbstündigen Fahrt sein Haus, welches sich etwas versteckt am Ufer des Amazonas befindet. Eine zahnlose Frau begrüßt uns herzlich und zeigt uns stolz ihre kleine Hausschildkröte.

Ich werfe einen Blick auf die vielen, großen, braunen Augen die neugierig durch die löchrigen Moskitonetze des Bettes spitzeln. Es sind Rochers Kinder. Sie kichern aufgeregt während eine Horde Hühner durchs Open-Air-Wohnzimmer schleicht. Die Stimmung ist freundlich, ausgelassen und dennoch geheimnisvoll. Rocher setzt sich zu uns in den Kreis, steckt sich eine unheimlich dicke Zigarette an und plaudert nur dezent über seine Fähigkeiten. Von Dorfbewohnern wissen wir allerdings, dass Roche einer der besten Schamane in ganz Iquitos ist. Roche heilt Erkrankungen mit allem was im Amazonasdschungel so wächst und gedeiht.

Zu Gast beim peruanischen Schamanen

Zu Gast beim peruanischen Schamanen

„Schamane wird man nicht über Nacht“, flüstert er kratzig als er eine große Rauchwolke aus seinen Lungen pustet. „Schamanismus wird als Familientradition weitergegeben und fordert außerdem absolute Enthaltsamkeit. In der Zeit in der man von seinem Meister in den Schamanismus eingeführt wird sind Sex, Alkohol und gewisse Lebensmittel tabu.

Ich frage Rocher, ob jeder Schamane werden kann.

Das Schamamendasein fordert eine gewisse Intuition, die nur wenige besitzen. Entweder man wird damit geboren, oder eben nicht.

Eine Grundvoraussetzung ist es für Rocher, im Dschungel aufgewachsen zu sein. Immer mehr Menschen, reisen nach Peru und begeben sich in die Hände eines solchen Schamanen. Die Erfahrungsberichte sind vielversprechend.

Ich möchte vom Schamanen konkret wissen, ob er eine Krankheit durch Alternativmedizin heilen konnte, bei der eine konservative Behandlung nicht anschlug.

Rocher spricht nicht, stattdessen führt er uns vor sein Haus. Er pflückt etwas Blätter von einem Strauch und hält sie uns überzeugt unter die Nase. „Guanabana“ nennt sich das Zeug und damit ließ sich durchaus die Besserung einer Brustkrebspatientin erzeugen.

Die Sonne verschwindet endgültig hinter den Palmen. Die Geräusche des Dschungels werden lauter und ich habe das Gefühl, alles um uns herum lebt. Einer der Söhne zündet weitere qualmende Moskitokegel an und widmet seine Aufmerksamkeit wieder einem der Hühner.

Rocher sagt, er habe eine besondere Bindung zu den Pflanzen und könne durch den Wundersud „Ayahuasca“ sogar mit Geistern kommunizieren. Ayahuasca wird seit Jahrhunderten von indigenen Völkern in Südamerika in spirituellen Zeremonien eingesetzt. Es wird aus den Blättern eines Kaffeestrauchgewächses und Teilen einer Liane gewonnen, die nur in den Tiefen des Amazonas vorkommen.

Auch wir haben einiges über die heilende Kraft von „Ayahuasca“ gehört. Stimmt es, dass Touristen dieses „Heilmittel“ als Droge missbrauchen?

Rocher prustet los und eine dicke Dampfwolke hüllt sich um uns. „Ayahuasca ist mit großer Vorsicht zu betrachten. Wer sich nur einen besonderen Trip verspricht, wird enttäuscht sein.“ Roche beschreibt Ayahuasca als einen „Allrounder“. Das absolute Wundermittel im Dschungel, dem man mit großem Respekt begegnen sollte. „Mutter Ayahuasca“ nennt er sein dunkelgrünes, nach Erbrochenem riechendes Säftchen. Diese Pflanze schlägt bei jedem Menschen an, der Heilung benötigt. Es sucht und findet die „Baustellen“ im Körper und wirkt gezielt dort. Psychisch wie physisch.

Rocher fasziniert mich nicht nur durch seine positive und warmherzige Art. Noch mehr beneide ich ihn um die unglaubliche Ruhe, die er ausstrahlt. Mir scheint, als hätte ich jemanden vor mir sitzen, der mit sich und seinem Leben absolut im Reinen ist. Jemanden der seinen tiefsten, inneren Frieden gefunden hat und sich durch nichts auf dieser Welt aus der Ruhe bringen lässt.

Ich nutze die aufregende Begegnung und frage den Schamanen nach seinem Lebensmotto. Einem ultimativen Tipp der die ewige Gesundheit prophezeit. Ich erwarte eine Schamanenweisheit oder irgendetwas in der Art, doch Rochers Antwort ist simpel.

Er grinst mich an und sagt:

Menos pensar, mas sentir

Weniger denken, mehr fühlen

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Ayahuasca Peru

 

 

 

3 Kommentare
  1. Nord-Peru-Reisen
    Nord-Peru-Reisen says:

    Sehr schön geschriebener Artikel, der das Feeling im peruanischen Dschungel gut rüberbringt. Ich wohne in Chachapoyas, der Selva Alta,wie man hier sagt, aber die Umgebung um Tarapoto herum ähnelt der von Iquitos sehr, was Traditionen angeht.

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