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Outback Australien – „Dirthroads und Durst trieben mich in den Wahnsinn“

 

Outback Australien

Western Australia – Tausende Kilometer atemberaubende Landschaft lagen bereits hinter uns, als wir  die Grenze zu Western Australien überquerten. Die Umgebung versprach all das, was man sich unterm wilden Westen Australiens vorstellte. Die letzten vereinzelten Häuser die noch zu sehen waren, verwandelten sich in rotbraune Felsformationen und schon bald reichten unsere Blicke nicht mehr über die endlose Weite im Outback Australien. 

Einerseits erweckte der Anblick der endlosen Weite ein Gefühl von Freiheit, andererseits war klar – hier würde uns keine Menschenseele finden. Das trübte unsere unglaubliche Abenteuerlust nicht. Wir waren uns sicher.

Die Westküste Australiens war der Anfang einer Geschichte, die wir nie vergessen würden.

Bungle Range – Abseits der Zivilisation

Tiere im Outback AustralienVorbei an Kängurus, wilden Pferden, Emus und Kühen führte unser Weg zur berühmtberüchtigten Bungle Bungle Range mitten in der felsigen, wüstenähnlichen Region. Eigentlich ging es nur darum, die bienenstockartigen Felsen im Outback Australien zu sehen. Ein Highlight, ein Wahrzeichen. Sehenswert jedoch nicht  um jeden Preis. Auf meiner To do List stand es jedenfalls ganz oben. Beinahe in jedem Artikel, den ich über dieses außergewöhnliche Örtchen unter der brutalen Sonne las, wurde eines erwähnt was wir jedoch gnadenlos ausblendeten. Das passende Auto mit Allradantrieb.

 

Der perfekte Begleiter

Tour durch das Outback AustralienUnser Mitsubishi Magna war nun wirklich robust. Eigentlich ein richtiger Glücksgriff stellte sich heraus, als er nach einigen dirth roads noch immer reibungslos funktionierte. Nur am Strand lies er sich schlecht fahren,  stellten wir fest als wir in den Dünen des Ningaloo Reefs hingen. Bis auf ein paar Kleinigkeiten wie die gesprungene Windschutzscheibe und der kaputte Fensterheber bot er uns eigentlich ein recht komfortables Zuhause und ließ uns nie im Stich. Er schwamm, fuhr und flog durch Australien und machte dabei den überdimensionalen Jeeps dermaßen Konkurrenz, dass uns so mancher Australier um unser Schnäppchen beneidete.

Mitsubishi wurde jedenfalls auf Herz und Nieren getestet und darum stand einer weiteren „holprigen Fahrt“ nichts im Wege.

Die Sonne begleitete uns an diesen Tagen mit einer unglaublichen Kraft, wie ich es vorher nie erlebt habe und mir kam es vor als kämen wir ihr Kilometer für Kilometer ein Stück näher. Stellenweise brannten Büsche, sogar kleine Wälder was jedoch keinen interessierte,  weil niemand davon wusste. Nur die Vögel kreisten aufgeregt über dem Feuer.

Freiheit und Leben im Outback Australien

Im Radio, welches nur noch stellenweise funktionierte, rauschten Klassiker von grenzenloser Freiheit und unser soziales Umfeld reduzierte sich mittlerweile auf ein paar Kängurus und Kühe. Die Internetverbindung schien längst verschollen und wir fühlten uns weit weg. Nachdem wir planlos zwischen roten Felsen und endloser Menschenleere vor uns hin sinnierten und unser Lebensinhalt darin bestand die wildesten Verschwörungstheorien auszudiskutieren, kamen wir eines Abends am großen Tor der Bungle Bungle Range an. Riesengroß glänzte das Schild mit der Aufschrift „4-Wheel“ und erinnerte uns daran, dass alles andere fahrlässig sein würde. Etwas spät kamen nun auch uns erste Zweifel auf und nachdem wir alle Möglichkeiten gedanklich durchgegangen waren, kamen wir zum Entschluss uns die Entscheidung von unserem treuen Begleiter Google abnehmen zu lassen. Netz musste her, am Besten schon gestern.

Outback Australien

 

Angebote in Kununurra

Der nächste Morgen brach an und wir machten uns hoffnungsvoll auf den Weg in die nächste kleine, unansehnliche Stadt Kununurra um einen Mietwagen ausfindig zu machen und nochmal intensiv zu recherchieren, ob die Fahrt machbar ist. Auch in Kununurra konnte man uns nicht helfen. Ein Info-Center mit Hubschrauberangeboten, welche für unser Budget kaum in Frage kamen ließ uns schnell einig werden. Wir waren uns sicher, das Schicksal wollte es nicht anders. Wir entschieden uns für einen Ausflug mit unserem Auto und fuhren zurück zum großen  Tor der Bungles im Outback Australien.

 

Verzweiflung im Outback Australien

Mit einem ungutem Gefühl nahm ich die schweren Eisenketten vom Tor. Die ersten paar Hundert Meter gingen tatsächlich gut, trotz der Prophezeiung einer beleibten Kassiererin in Kununurra unsere Achse würde in den ersten Kilometern brechen. Allerdings sollte sich das ändern und der Weg forderte schon bald von uns beinahe wie in Zeitlupe über spitze Steine und Sanddünen zu gleiten.  Nach den ersten sechs mühsamen Stunden verzögerte sich die Ankunftszeit (wer hätte es geahnt). Wir stellten fest, dass wir nichtmal bei der Hälfte waren und der ganze Weg zurückgefahren werden musste.

Verzweiflung machte sich breit. Zu Fuß wäre man sicher schneller gewesen.

Jeder vorbeifahrende Jeep hatte nur ein Kopfschütteln hinter einer Staubwolke für uns übrig. Nur einer, der aussah wie Krokodil Dundee in seinen besten Zeiten der Überlebenskunst, nahm sich einen Moment seinen Touristenbus anzuhalten um uns zu sagen, dass uns niemals jemand hier rausholen würde.

Wenden war keine Option. Die bisherige Höllenfahrt umsonst. Niemals. Eine anderer wiederum war sich sicher, man könnte es schaffen. Als dieser sein Fenster runterließ, rastete er komplett aus. Ein Mitsubishi Magna in den Bungles, das habe er noch nie gesehen. Absolut crazy.

Endlose Fahrt durchs Outback Australien

Leicht verunsichert ging die holprige Höllenfahrt weiter und bescherte uns den längsten Ausflug unseres Lebens. Weitere fümf Stunden holpriges Gleiten über die holprigen Wege des Nationalparks. Den Rückweg schafften wir nicht mehr mit unserem  Tank. So blieb nur noch die Hoffnung, dass das Ziel näher war als der bisherige Rückweg, um jemanden zu finden, der uns helfen konnte. Der frustrierende Anblick der rückkehrenden Autos machte die Situation nicht angenehmer. Die anfängliche Abenteuerlust war bis in den Keller gesunken und in unserem Auto wurde es still. Doch der große Schreck kam, als wir unseren letzten Kanister vertankt hatten und Trinkwasser kaum noch vorhanden war.  Ich sah aus dem Fenster auf die vertrockneten Bäume. Kaum vorstellbar, dass hier Leben existieren sollte.

 

Wahrscheinlich war es so weit – Australien hatte uns. Die Bungles hatten uns. Durstig wegen Dummheit. Was würde Steve Erwin zu diesem Desaster sagen. Ich stellte mir vor, wie ich auf einem der wilden Pferde umherreiten würde, auf der Jagd nach Essbaren. Bekleidet mit einem Baum. Daniel hingegen fühlte sich endlich gefordert. Nun konnte er alles Wissen aus jahrelangen Dokus, der großen Überlebenskünstler zum Vorschein bringen. Na was ein Glück, gab ihm ein ironischer Blick zu verstehen.

Die Rettung zwischen Felsen und Höhlen der Bungles

Kapelle Bungle Bungle Range

 Die bienenstockartigen Felsen gaben uns die Hoffnung schon bald auf einen Menschen zu treffen. Der Parkplatz war bereits gesichtet und die letzten Meter, welche verschwommen vor unserem Augenlicht lagen, zogen sich wie Kaugummi. Jetzt mussten Wunder geschehen. Erleichtert suchten wir vergeblich nach Schatten. Wir schleppten unsere Körper durch die felsigen Gänge der Bungles und kamen an eine große Höhle. Die Höhle war unsere Rettung. Hier war es kühl und wir legten uns schweißgebadet auf zwei Klappstühle die dort platziert waren.

Nach einigen Minuten tauchte zu unserem Glück ein australisches Pärchen auf, um seine Stühle auf denen wir mehr tot als lebendig abhingen abzuholen. Die beiden wohl vom Universum geschickten, erzählten uns von ihrem Leben an der Sunshine Coast. Sie hatten die selbe Route wie wir hinter sich. Wir kamen auf das Thema Anfahrt und nun war der perfekte Moment unser Leid auszusprechen. Für die beiden war es selbstverständlich ihre Hilfe anzubieten und sie schlugen vor, noch eine kleine Wanderung vorzunehmen und danach mit ihnen zu ihrem Auto zu gehen in dem sich tatsächlich eine mini Gefriertruhe befand. Unsere Augen leuchteten beim Stichwort „Fridge“ als wäre Weihnachten.

 

Es waren die letzte Höllenminuten der kranken Hitze und ich glaubte fast eine Fata Morgana zu sichten, während die beiden sich am herrlichen Panorama erfreuten. Noch nie im Leben verspürte ich eine solche Hitze.

 Der heilige Saft der Guave

Dave und seine Perle schien bestens ausgestattet für einen Trip im Outback Australien. Sie hatten so ziemlich alles was es auf dem Outdoormarkt zu kaufen gibt. Vom Kompass bis zum Multifunktionsmesser. Sämtliche Landkarten zierten das Armaturenbrett und ich fing an jedes belächelnde Wort über all die tarnfarbenden-Hosen-mit abnehmbaren Beinen-tragenden Jochen Schweitzer-Freaks zu bereuen. Ich war dankbar, denn es gab so ziemlich nichts was deren Schicksal überlassen war,  während es bei uns nichts gab, was dem Schicksal nicht überlassen war. Das ergänzte sich im Moment sehr gut.

Es gab wohl einige wundervolle und unvergessliche Momente auf unserer Reise. Der Moment als Dave einen kühlen Saft aus seiner kleinen Gefriertruhe nahm und in einen Messingbecher einschenkte, gehört wohl zu den besten.

Die Situation sollte beim besten Willen nicht so erbärmlich aussehen wie sie tatsächlich war. So nahm ich lässig einen Schluck und reichte den Becher weiter. Verbergen konnten wir es nicht nachdem wir innerhalb einer Minute die gesamte Flasche leerten und den Saft preisten wie heiliges Wasser, während Dave und seine Freundin ein Geschenk nach dem anderen aus ihrem überdimensionalen Jeep zogen. Benzinkanister, Wasserkanister und alles was das unvorbereitete Herz in Australien noch so begehrt. Verwundert hätte uns nur eine Zapfsäule, die auf Knopfdruck aus Daves Motorhaube springen würde. Es war einfach unglaublich welch eine Wundertüte hinter diesem Auto. Der Rückweg forderte nochmal starke Nerven aber durch die Begegnung mit diesen „Engeln“ war zumindest für Wasser und Benzin gesorgt. 

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Outback Australien

 

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2 Kommentare
  1. Marion Rotter
    Marion Rotter says:

    Alleine schon wegen der Wallabies muss ich schon mal hin! Einzig der verdammt lange Flug hält mich noch davon ab. Aber wenn man da so Deine Seite stalked. WOW. Toll. Ich beneide dich um diese schönen Erfahrungen. VLG Marion

    Antworten
    • Kristina
      Kristina says:

      Liebe Marion, ich kann dir eine Reise nach Australien wirklich nur empfehlen. Es war eine unglaublich Zeit, an die wir noch oft denken. Wenn du erstmal dort bist, vergisst du den langen Flug sofort wieder! Unbedingt machen 🙂

      Antworten

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